Körperlichkeit und interkulturelle Kommunikation. Eine neue Definition von Körpersprache

Text von Roberta Rio – Villach – 2012

Körper, Sprache, Körpersprache.

Drei große untereinander verbundene Themen, die im Bereich der interkulturellen Kommunikation noch viel komplexer und faszinierender werden, als sie es einzeln betrachtet ohnehin schon sind.

In der kindlichen Entwicklung geht der Spracherwerb zeitlich größtenteils mit der motorischen Entwicklung einher. In dieser Phase erlernen wir unsere Muttersprache und auch die Erlernung fremder Sprachen ist in diesem Zeitfenster erstrebenswert. Sobald die Entwicklung der Motorik abgeschlossen ist, wird die Erlernung einer anderen als unserer Muttersprache immer schwieriger.

Davon lässt sich ableiten, dass die Sprache und der Körper, insbesondere der Körper in Bewegung, in enger Verbindung miteinander stehen.

Sprache ist Mittel des Austausches.

Sie entsteht aus dem menschlichen Bedürfnis sich auszudrücken und die eigenen Gedanken, Ideen, Gefühle und Emotionen mit anderen zu teilen. Sie lässt uns mit anderen in Beziehung treten und ist ein Instrument, das trennen und gleichzeitig vereinen kann.

Aber das Wort allein ist nicht Kommunikation.

Einige Studien beweisen, dass nur 7% aller stattfindenden Kommunikation verbaler Natur ist. Das bedeutet, dass der Großteil der Nachrichten, die wir nach außen senden, nonverbal ist und wir uns dieser Mitteilungen manchmal gar nicht bewusst sind.

Eine bedeutende Rolle innerhalb der Kommunikation spielt der Körper.

Was teilen wir der uns umgebenden Welt mit durch unsere Körperhaltungen, die Gesten, die Gesichtsausdrücke, die Stimme, den Blick, die physischen Entfernungen zwischen uns und anderen?

Die Übereinstimmung zwischen unserem verbalen und nonverbalen Ausdruck schafft unsere Glaubwürdigkeit, unser authentisches Auftreten und die Wirksamkeit der Kommunikation.

Man kann viel tun, um den sprachlichen Ausdruck zu “trainieren” und ihn für unsere Zwecke einzusetzen. Doch wenn dieses Bemühen nicht vom körperlichen Ausdruck ergänzt wird, verliert es die Authentizität und selbst das „perfekte Wort“ kann durch eine einzige Geste zunichte gemacht werden. Von den zwei kommunikativen Ausdrucksformen empfinden wir automatisch jene des Körpers als „wahr“. Berühmt ist der Ausspruch: „Der Körper lügt nicht.“

Es ist eine Art der nicht rationalen Wahrnehmung, die auf einer tiefergehenden Ebene stattfindet als die verbale Kommunikation.

International gesehen ist dies noch viel komplizierter. Schon auf linguistischer Ebene gibt es viele Risiken, nicht verstanden zu werden bzw. nicht zu verstehen. Dies gilt jedoch noch viel mehr für die nonverbale Kommunikation, da diese oftmals Ergebnis der verschiedenen kulturellen Prägungen ist, denen wir unterworfen sind.

Am Beginn dieser Entdeckungsreise steht die Beobachtung. Es wird die Fähigkeit trainiert, sich selbst und anderen zuzuhören. Die Vielschichtigkeit der Entdeckungen während dieser ersten Schritte und das Staunen darüber führen zu einer Toleranzhaltung gegenüber dem Nächsten und dem Andersartigen.

Dieses Buch entsteht aus der persönlichen Erfahrung.

Aus Lebenserfahrungen, die es mir erlaubt haben und es mir noch immer täglich erlauben, mich mit anderen Kulturen und Sprachen auseinander zu setzen; aus einer besonderen „Aufmerksamkeit“ gegenüber dem physischen Körper und der Bereitschaft, seine Mitteilungen zu beobachten und zu verstehen.

Und natürlich aus Seminaren, die ich zu diesem Thema geleitet habe, wo ich durch Übungen, Momente der Anteilnahme, der Beobachtung und der Untersuchung – manchmal auch durch die Umsetzung einiger Theorien in die Praxis – Daten und Informationen gesammelt habe, die zur Verfassung dieses Textes beigetragen haben.